Helnwein ( texte )
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Leopold-Hösch-Museum, Düren
Ausstellungskatalog
Dorothea Eimert
One man-show
Die Befreiung aus den Fesseln der Vergangenheit, der Rückzug in die Stille und Besinnlichkeit hat bei Helnwein einen Arbeitsrausch hoher schöpferischer Güte ausgelöst. Sensibler und leiser, aber um so intensiver und kraftvoll formuliert er sein Thema vom verletzten und verwundeten Menschen, von seinen Leiden, seiner Sprachlosigkeit und von seiner Einsamkeit.
Immer wieder konterveit Helnwein sich selbst als Verwundeten, mit Mullbinden Verbundenen, als Kopf mit eingeschnürten Sinnesorganen, als jemand, der nichts mehr in sich aufnehmen und nichts mehr von sich geben kann. Die jüngste, vielteilige Reihe mit Selbstportraitköpfen erschein wie ein Befreiungsakt in die Welt der farbenfreudigen Abstraktionen und differenziert schillernden Monochromie. Die Ohnmacht vor dem Destruktiven, Unangenehmen und Hässlichen, die Helnwein in seinen realistischen Bildern verdeutlicht, führt in den neuen Selbstportraits zur Auflösung in den abstrakten Farbrausch. ... +

Galerie Würthle, Wien
Ausstellungskatalog
Hans Dichand
Als vor einigen Jahren Gottfried Helnweins Werke im Wiener Pressehaus vorgestellt wurden, protestierte der Betriebsrat. Von keiner Gesellschaft, von keiner Klasse, wird neue Kunst akzeptiert, immer nur von einzelnen. Stets gibt es anfänglich Widerstand, weil es in jeder etablierten Gesellschaft an kultureller Beweglichkeit fehlt, das Neue zu erkennen und akzeptieren. Bei Helnwein, der durch seine Bilder konventionelle Verletzlichkeit in einem ganz besonderen Maße provoziert, war die Ablehnung auch entsprechend extrem. "Blut- und Narbenmaler" nannte man ihn.
Er hat sich dennoch durchgesetzt. Heute ist Gottfried Helnwein weltbekannt und als Künstler entsprechend eingestuft. Die jetzige Ausstellung zeigt, dass er ein Suchender geblieben ist, einer der nach Sturm und Drang Extreme hinter sich gelassen hat, ohne künstlerische Kraft eingebüßt zu haben. Nach wie vor gilt seine Aussage: "Malen ist sich wehren. Immer eine Antwort auf etwas." ... +
Gottfried Helnwein, One-man show, Mittelrhein-Museum, Koblenz, Galerie Würthle, Wien

Gottfried Helnwein : Kiss of Judas II (detail)
Peter Gorsen
Graphische Sammlung Albertina, Wien

Ausstellungskatalog

Neben Skizzen von Ballet tanzenden Hasen und gestiefelten Katzen, strangulierten und gestopften Enten finden sich Studien oder eher Wunschzeichnungen zu malträtierten Kinderköpfen, deren Münder durch Spangen und rosige Narben grauenhaft entstellt sind, aber gleichzeitig durch ihre höhnischen, Fratzen schneidenden Grimassen Ungehorsam, Widerstand, Aufruhr, so etwas wie kindliche Autonomie in der depravierten Erwachsenenwelt signalisieren. Das Feixen des malträtierten Kindes, ein groteskes Vexierbild, in das Märtyrertum und Subversion der Menschenkreatur gleichermaßen eingeflossen sind, ist ganz allein Helnweins Erfindung. Sie offenbart sich in den vielen Metamorphosen des Phantasmas vom versehrten Körper als obsessives Grundmuster seiner Bildwelt und aktionistischen Darstellungen, als Metapher einer im Innersten des Menschen vorhandenen Unverletzlichkeit und Unbesiegbarkeit. ... +
Gottfried Helnwein, ONE MAN SHOW, ALBERTINA MUSEUM, VIENNA, 1985

Gottfried Helnwein : Roter Mund ( Detail )
Deutsches Allgemeines Sonntagsblatt
Erika Brenken
Die Kunst von Gottfried Helnwein - Erfolg und Kritik
Die Provokationen des 34jährigen Künstlers sind subversiv und klammheimlich.
Sie packen den entsetzten Betrachter eben da an, wo die antrainierten Verdrängungsmechanismen sonst so gut funktionieren.
Das wird am deutlichsten bei Helnweins Kinderbildern. Zarte pastellfarbene Zeichnungen, die zum Horrortrip für den Betrachter werden. Die sanften Kindergesichter sind durch Verletzungen furchtbar entstellt. Hasenscharten, Narben, Wundmale, Klammern, Kanülen, Bandagen.
Der Anblick ist kaum auszuhalten. Aber was bedeutet das schon gegen die täglich von vielen tausend Kindern erlittenen Schmerzen, Qualen und Folterungen?
Helnwein denunziert nicht die Kinder - das häufigste Missverständnis, mit dem man sich gegen seine Kunst wehrt - sondern unsere Neigung, vor dem Leiden die Augen zu verschliessen.
Der Künstler entlarvt das Bedürfnis nach heiler Welt (oft nur eine Form von Abgestumpftheit) als unmoralisch, als Angst vor der Realität .
Ein Moralist mit sadistischen Mitteln. ... +
Gottfried Helnwein, Monographie, Orac-Pietsch Verlag, Wien

1.Wiener Kindergalerie
Ausstellung 17. Oktober bis 21. November 1982
Gottfried Helnwein
Künstler - und ihre Kinderzeichnungen
Das einzige, das von meiner Schulbildung geblieben ist, - das Schreiben und das Rechnen, habe ich in der Volksschule gelernt, bei den katholischen Schulbrüdern - ganz ohne moderne Pädagogik.
Dort habe ich sogar im Zeichnen etwas gelernt. Im Religionsunterricht haben wir Herzen gezeichnet - mit Flügeln und schwarzen Flecken, die in den Beichtstuhl hineinfahren und auf der anderen Seite wieder weiß herauskommen.
Das ist doch phantastisch!
Oder - "das Auge Gottes"! Damals hat jeder in unserer Klasse gezeichnet wie der Günther Brus. Danach auf dem Gymnasium war alles Scheiße. Im Englischunterricht mußten wir 4 Seiten aus "Ann and Pat" auswendig lernen und in Bildnerischer Erziehung eine Wunderblume zeichnen.
Ich hasse aber Wunderblumen, und so habe ich Donald Duck als Kapitän gezeichnet, wie er gerade Tick, Trick und Track anschreit.
Worauf mein "Zeichenprofessor" meine Eltern vorgeladen hat, um ihnen mitzuteilen, wie gefährlich es sei, Witzhefte nachzuzeichnen.
Damit hatte er jedoch nicht recht, denn die einzigen Lehrer, von denen ich wirklich etwas gelernt habe - nicht nur künstlerisch, sondern auch philosophisch, also für's ganze Leben sozusagen, - waren Walt Disney, Carl Barks und Donald Duck.
Sie waren immer für mich da, und wenn ich das Gefühl hatte, niemand versteht mich, sie haben mich immer verstanden. Und wenn ich traurig war und einsam, sie haben mich wieder aufgerichtet und mir wieder Mut gemacht,
und gemeinsam mit Tick, Trick und Track habe ich dann gesungen: "Wir pfeifen auf Pomade, auf Seife, Kamm und Schwamm, wir bleiben lieber dreckig und waelzen uns im Schlamm!" ... +

Gottfried Helnwein : Der Zwischenfall (Detail)
Frankfurter Rundschau
Thomas Rothschild
Mit kaum einem anderen Wort wird so viel Schindluder getrieben, wie mt dem Begriff Realismus. Dass, was als realistisch bezeichnet wird, nur selten mit mit einer intersubjektiv überprüfbaren Wirklichkeit zu tun hat, ist mittlerweile eine triviale Erkenntnis.
Wir wissen zum Beispiel aus dem "sozialistischen Realismus", dass ständig bestimmte stilistische Verfahren mit inhaltlichen Kriterien vermengt und verwechselt wurde.
Auch realistische Kunst inszeniert, und was sie da aufbereitet, und wie sie es tut, das sagt mehr aus über das Verhältnis des Künstlers zur Realität als über diese Realität selbst. ... +
Gottfried Helnwein, Monographie,Orac-Pietsch Verlag, Wien

H.C. Artmann
Helnwein, Monographie

Orac Pietsch Verlag, Wien

einer erstellt die summe seiner beobachtungen in dieser welt der patzer und dämonen.
er vernimmt die schreie aus den gekachelten schreckträumen abseits einer satten gesellschaft, die weder mit dem laub der bäume noch mit dem grün der laubfrösche noch mit den froschaugen des miterlebens zu schaffen haben will.
er aber hört manche, die da schreien bis ihnen die gehirne zerspringen wie lichtjahre, und hört andere, still vor sich hinweinende, deren tropfende tränen eines noch-hoffens mit dem abscheulichen eisskalpell der hoffnungslosigkeit seziert werden. ... +
Gottfried Helnwein, MONOGRAPH

H.C.Artmann

Salzburg

Gott zum grusse und anbei ein text, von dem ich hoffe, dass er euch gefallen kann. Meiner meinung wirkt ein surreal-abstrahierter ausruf (oder aufschrei) wie beiliegendes doch am besten. ... +

Helnwein, Monographie
Orac Pietsch Verlag, Wien
Karlheinz Roschitz
Er ist an Kummer mit seinen Blicken gewöhnt. Dass ältere Damen in durchaus nicht damenhafte Schimpfkanonaden ausbrechen und andere hysterisch loslachen, dass ruhig und besonnen wirkende Betrachter vor seinen Bildern ihren (un)heimlichen Zorn zu einem Wutausbruch steigern - das alles lässt Gottfried Helnwein längst nicht mehr staunen.
"Ich bin meiner Bilder wegen schon mit dem Messer bedroht worden, obwohl diese Menschen mit meinen Arbeiten überhaupt nichts zu tun hatten", versucht er die Wirkung mancher seiner Arbeiten zu beschreiben. "Ich kenne von Jugend auf die Leute. Ihr Aggressionen, ihre Ängste, ihre Verletzlichkeit - das alles ist in meine Arbeiten. ... +

Gottfried Helnwein : Austrian Poet Wolfgang Bauer
Wolfgang Bauer
Poet
SONG FOR HELNWEIN
ZU BODEN WIRFT DER TRÄUMER DEN BLICK / SCHWERER REGEN WIRD FALLEN / DURCH SEINE AUGEN / IM SCHLENDERN / DIE ROTEN HÄNDE IN DEN RAUHEN MANTEL GEBALLT / TIEF IN DER MAGENGRUBE / FÜHRT ER DIE SONNIGEN TEMPEL / BRENNEND UNTER DEM TAGESBLAU / SPAZIEREN / ÜBER DEN

BOULEVARD OF BROKEN DREAMS

GEHEN, GEHEN / SCHLURFEN IN DER DAMPFENDEN NÄSSE / DIE GESPIEGELTEN THEATERREKLAMEN WEGKICKEN / VOM GLITSCHIGEN TROTTOIR / IN DEN PEEP-SHOWS VERTROCKNEN / MENSCHEN REMPELN / AUS LIEBE / SICH DIE KÖPFE AN EISENGELÄNDERN ZERSCHLAGEN / IM MILCHIGEN KNEIPEN / DEN ZITTERNDEN KÖRPER MIT SCOTCH FÜLLEN / LÖSCHEN IRGENDWO AM /
BOULEVARD OF BROKEN DREAMS ... +

Botho Strauss
Texte
Helnwein, Monographie

Orac Pietsch Verlag, Wien

Verwunderlich wäre es, doch nicht mehr undenkbar, wenn eines fernen Tages, aus der Anderen Zeit heraus, das deutsche Dritte Reich nicht mehr vornehmlich nach seinem blutigen Formgefühl beurteilt würde, mit dem es die Schrecken der Diffusioo im ersten Massenzeitalter beseitigte, sondern vielmehr erinnert würde als das erste, alles in die Verirrung treibende Beben, als der Erste Ruck vor dem langsam gewaltigen Aufbruch in eine "geschichtslose" statische Epoche. ... +
Gottfried Helnwein, MONOGRAPH

Barbara Frischmuth
Helnwein, Monographie

Orac Pietsch Verlag, Wien

Für Gottfried Helnwein und seinen überlisteten weißen Clown
Crying for the moon... immer hast du ihn haben wollen. Zuerst einfach so, als blanke Münze, konvertierbar in deine samtfarbenen Zwangssehnsüchte, als Kleingeld für die Überfahrt in die von den Emigranten der Nacht gelobten Länder, als leuchtender Kiesel - Wegweiser durch die Styxe des Amüsiergewerbes.
Den Mond wolltest du, weil du die Erde nicht in den Arm nehmen konntest, den Mond, weil sein Licht dir den Blick in die Höhe trieb, der der Sonne nur blinzelnd entgegenzwinkerte, den Mond, der für die meisten ein Gefühl ist, mit dem keiner weltmäßig leben kann.
Mondsüchtig wie Pierrot und doch den Gaffern zugewandt, deren Sympathie sich an deiner trauernden Weiße bricht. Der rote Punkt an deiner Nase ist das Stoppzeichen für all die Aberwitze, die dein Gegenspieler August dir ums Maul streicht. Natürlich bist du prächtig gekleidet und du weißt, was du deiner entrückten Seinsweise an lasziver Grandezza schuldig bist, um nicht nur ins Auge zu fallen, sondern darin zu bleiben, als zur Eisblume verwandelter Splitter, der Stachel der Sehnsucht nach einer Welt, aus der du zu uns kommen scheinst, die du aber nicht verkörperst. ... +

Gottfried Helnwein : Das Grubenunglück ( mine disaster)
Tiroler Tageszeitung
v.h.
Manische Beschäftigung mit der "Verlarvtheit" des Menschen
Der 1948 geborene Wiener wird in den USA wie in Japan als virtuoser Graphiker zur Kenntnis genommen, der mit Bleistift und Feder, Buntstift und Aquarellpinsel eine Hinterwelt gespenstischer Überwirklichkeit, der Banalität des Entsetzlichen, des Wahnsinnigen, einen neuen Surrealismus ausspielt.
Dieser Surrealismus hat nur mit einsamen und ehrlichen Manifesten des alten Surrealismus zu tun.
Er ist mit Goya, Kafka, Edgar Allan Poe, mit den härtesten Äußerungen expressionistischer Graphik und Literatur enger verwandt. ... +
Gottfried Helnwein, one- man show, Galerie Bloch, Innsbruck

www.lexikon-definition.de
Definition, Bedeutung, Erklärung im Lexikon
Der Kardinal-König-Preis wird seit 1991 von der vom ehemaligen Erzbischof von Wien, Kardinal Franz König gegründeten Stiftung "Communio et Progressio - Neue Hoffnung für den Donauraum" verliehen. Der Preis wird an Persönlichkeiten verliehen, die einen Beitrag zur Bildung eines Handlungsbündnisses von Wissenschaft, Religion, Wirtschaft und Medien leisteten, um einen Beitrag zur Bewältigung der weltweiten Probleme auf dem Gebiet der Meinungs- und Gewissensfreiheit, der Gerechtigkeit, des Friedens, der Bewahrung der Schöpfung und der allgemeinen Entwicklung der menschlichen Gesellschaft zu leisten.
Vor 1991 wurde der Kardinal-König-Preis, vom österreichischen Bundeskanzler an Künstler verliehen, die sich mit meditativer Kunst beschäftigten. ... +



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