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Michael Freund
ERIKA FUCHS 1906-2005 - DIE GROSSE UND LANGE ZEIT EINZIGE ÜBERSETZERIN DER DISNEY-COMICS STARB AM FREITAG 98-JÄHRIG IN MÜNCHEN

Der Bilderzyklus "48 Portraits", von Gottfried Helnwein, Mixed Media, Sammlung Ludwig, Aachen
(Auszug)
...Die Ehrungen häufen sich. 1991 wird Erika Fuchs von Gottfried Helnwein porträtiert und für seine Reihe "48 Portraits" mit den (nach seiner Meinung) wichtigsten Frauen des Jahrhunderts aufgenommen.

Das Erika Fuchs Buch, 1996
Disneys deutsche Übersetzerin von Donald Duck und Micky Maus
Dreizehndreizehn
Lüneburg
Klaus Bohn
Gottfried Helnwein : 48 Portraits
48 Portraits 1991
70 cm x 55 cm
oil and acrylic on canvas
Museum Ludwig, Aachen



ERIKA FUCHS 1906-2005
Michael Freund

Entenhausen/München - Eines wollte Erika Fuchs nie werden: alt; auf die Weise alt, dass man nur mehr nach rückwärts blickt und "Wagner im Ohr hat" wie ihre Mutter. Sie hörte lieber der Gegenwart zu, fuhr Straßenbahn statt Auto, um unter Leuten zu sein, vor allem unter Kindern, und zu spüren, wie sich das veränderte, was sie so liebte: die Sprache. So blieb sie jung und mit ihr die Sprachleistung, die sie vollbrachte und für die sie spät, aber dann umso nachhaltiger gerühmt wurde.

Erika Fuchs war die große und lange Zeit die einzige Übersetzerin der Disney-Comics. Sie war das Beste, was den Micky-Maus-Heften passieren konnte - und der Nachkriegsgeneration ebenso. Denn wenn den amerikanischen Geschichten aus dem Hause Walt Disney, insbesondere den interessanteren über die Familie Duck, etwas fehlte, dann war es eine kongeniale Sprache. Und wenn es der deutschsprachigen Kinder-und Jugendlichenkultur jener Jahre an etwas mangelte, dann waren es antiautoritäre, nicht restaurative Identifikationsmodelle, die Spaß machten und deren Vielschichtigkeit im Ausdruck in späteren Jahren zusätzliches Vergnügen bereitete - was sich in Heerscharen erwachsener Fans niederschlug.

Sprachkultur

Die von ihnen geschätzte "Füchsin" hat wahrscheinlich mehr für ihre Sprachkultur geleistet als viele hoch dekorierte PEN-Mitglieder. Darum war es zwar verständlich, dass auch sie immer wieder für Auszeichnungen vorgeschlagen wurde - Elfriede Jelinek etwa wünschte ihr den Büchner-Preis. Aber es war ebenso folgerichtig, dass ihr bis ins hohe Alter kaum eine Ehrung von offizieller Stelle zuteil wurde. Ein Lob den Sprechblasen? Huch! Spät erst besann sich zum Beispiel ihre Wahlheimatstadt München der Dame oder lobten auch Politiker die Empfängerin der "Morenhovener Lupe 1994".

1906 im hinterpommerschen Rostock als Erika Petri geboren, wuchs sie in wohlhabenden Verhältnissen im nahe gelegenen Belgard an der Persante (heute in Polen) auf. Sie war 1920 das erste Mädchen am höheren Knabengymnasium, maturierte und studierte Kunstgeschichte in Lausanne, München und London (Promotion summa cum laude). 1932 heiratete sie den Unternehmer und Erfinder Günter Fuchs - später Ratgeber in vielen Daniel Düsentrieb'schen Details - und zog zu ihm nach Schwarzenbach in Franken.

Im Dritten Reich überwinterte sie in der Provinz, zog zwei Söhne groß und war froh über die ersten britischen Soldaten, die ihren Ort erreichten. Zu ihrer Übersetzertätigkeit kam sie eher zufällig, blieb aber ab dem ersten Heft der Micky Maus im September 1951 fix dabei ("wenn schon, dann soll das ordentlich gemacht werden", hatte ihr Mann geraten) und übersetzte bis in die Siebziger praktisch alles, was Disney auf Deutsch herausbrachte.

Erika Fuchs' Leistung geht weit über die bekannten Sprachmalereien à la Ächz! und Grübel! hinaus. Sie bestand vor allem darin, den durchschnittlich umgangssprachlichen Jargon des Originals in einen sozial und stilistisch differenzierten, im Zweifelsfall auch witzigeren Kosmos zu übertragen, dabei auf einen liberalen, antimilitärischen und nicht autoritären Grundton zu achten - und Amerikanismen wie Halloween oder den Thanksgiving-Truthahn einzudeutschen.

"Werd nicht poetisch"

Nur ein kleines Beispiel aus der persönlichen Favoriten-Kiste: Wenn die Beagle-Boys sich im Original über einen brechenden Damm mit den Worten freuen: "Wie ferner Donner" - "Oder Feuerwerk am 4. Juli", sagt im Deutschen ein "Panzerknacker" (natürlich auch eine Fuchs'sche Schöpfung) zum anderen: "Hört sich an wie fernes Donnergrollen" und bekommt zur Antwort: "Werd nicht poetisch, Ede, die Pinke kommt." Für derlei liebten sie - natürlich zunächst unbekannterweise, denn sie wurde nur im klein gedruckten Impressum geführt - die Leser. Sie hielten ihr die Treue bis heute, wo sie in Chefetagen sitzen und in Werbeagenturen, in Literaturen (das ihr 2001 einen Titel widmete) und im FAZ-Feuilleton, das seine Titel und Bildunterschriften regelmäßig mit Fuchs-Zitaten anreichert.

Organisiert frönen sie ihr im deutschen Donaldisten-Verein, der auch die einzige Begegnung zwischen Fuchs und dem großen Duck-Zeichner Carl Barks arrangiert hat, in dem Häuschen bei Nymphenburg, wo seit dem Tod ihres Mannes 1984 lebte. Die Sekundärliteratur über sie wächst beständig, das Erika Fuchs Buch von Klaus Bohn zählte schon vor sieben Jahren fast 100 Veröffentlichungen. Eine Wahrsagerin hatte ihr vor langer Zeit prophezeit, sie würde 97 Jahre alt werden. Wenn sie davon erzählte, dann klang sie skeptisch, abgeklärt und selbstironisch. So wie sie einmal einen Fan, der einen Film über sie drehen wollte, fragte, ob er sich nicht lieber eine junge Dame vornehmen wollte: "Ich könnte Ihnen ja unter der Hand wegsterben." Das war vor einem Vierteljahrhundert. Am vergangenen Freitag, im 99. Lebensjahr, ist Erika Fuchs, wie nun erst bekannt wurde, gestorben.

(DER STANDARD Printausgabe, 26. April 2005)

Erika Fuchs, die von den Fans geliebte "Füchsin" verwandelte die Micky Maus in deutsche Literatur.
Gottfried Helnwein :
Erika Fuchs
photo by Gottfried Helnwein

www.barksbase.de


Leserforum:

swedish meatballs
| 26.04.2005 11:17 antworten

Re: Entenhausen
im supertollen buch "wer ist carl barks" von gottfried helnwein (http://www.helnwein.com/kuenstler/bibliografie/artikel_449.html)
ist echt ein ganzer haufen interessantes zusammengetragen. empfehlenswert.
entenhausen = duckburgh
panzerknacker = beagle boys
die überssetzungen in´s deutsche sind genial, viel viel besser als das amerikanische original.



Spaceman Spiff
| 26.04.2005 11:56 antworten

Re: Re: Entenhausen
Naja, wenn sie Oesterreicherin gewesen ware, dann hiesse das jetzt Entendorf oder Entenkirchen ;-)



swedish meatballs
| 26.04.2005 13:42 antworten

Re: Re: Re: Entenhausen
oder was mit klein-, ober-/unter- oder auch sankt davor.



Helmut Huber
Alle Postings von Helmut Huber | 26.04.2005 10:53 antworten

Re: Entenhausen
Ducksburgh.
Wenn Sie das gugeln, finden Sie alles andere - Dewey, Huey & Louie für Dick, Trick und Track, Gyro Gearloose für Daniel Düsentrieb, Beagle-Gang für die Panzerknackerbande usw. usf.
Wie man alleine an diesen wenigen Beispielen sieht, war da eine kongeniale Schöpferin am Werk, in der ursprünglichen Bedeutung.



swedish meatballs
| 26.04.2005 10:46 antworten

Re: Entenhausen
duckburgh, beagle boys



Elvis Lives
| 26.04.2005 09:53 antworten

Re: Entenhausen
Die englischsprachigen Original-Comics verwenden ''Duckburg''. Dort steht der ''money bin'' (Geldspeicher) von Scrooge McDuck (Dagobert Duck) mit ''number one dime'' (dem Glückstaler). Mehr dazu findet man schnell im Internet, z.B. unter http://duckman.pettho.com/characters/characters.html. Dort findet man auch Übersetzungen der Charaktere in viele andere Sprachen.
Panzerknacker: The Beagle Boys
Tick, Trick & Track:
Huey, Dewey and Louie Duck
Danish: Rip, Rap og Rup
Dutch: Kwik, Kwek en Kwak
Finnish: Tupu, Hupu ja Lupu
French: Riri, Fifi, et LouLou
Italian: Qui, Quo & Qua
Norwegian: Ole, Dole og Doffen
Portuguese: Huguinho, Zezinho e Luisinho
Spanish: Jorgito, Juanito y Jaimito
Swedish: Knatte, Fnatte och Tjatte



Herr Bauz
| 26.04.2005 09:06 antworten

Re: Entenhausen
Panzerknacker = Beagle Boys (siehe auch obiger Bericht)
Entenhausen = Duckburg



wurzen sepp
Alle Postings von wurzen sepp | 25.04.2005 23:23 antworten

ich kann nur sagen:
aua, schnurli! was ficht dich an?



Grinsekater
| 25.04.2005 23:19 antworten

dankeschön !



Herr Dr. Bitter
| 25.04.2005 21:36 antworten

Micky Maus = Schmutz und Schund
Ein dickes Danke dieser Dame!
Ich habe mit ihren Micky Maus-Texten lesen gelernt.
Um nur keine Rührseligkeit aufkommen zu lassen, muss ich mich an dieser Stelle daran erinnern, dass Micky Maus-Hefte Anfang der 50er-Jahre als "Schmutz und Schund" in Wien öffentlich verbrannt wurden.
Und beim katholisch und proporzmäßig besetzten "Buchklub der Jugend" durften Kinder ein Packet Schundhefte gegen ein "gutes Buch" zwangseintauschen.
Dieser NS-Geist - Abwehr von Schund und Sittenverlall - lebt heutzutage in der Jugendmedienkommission des Bundesministeriums f. BWuK weiter, indem z.B. Filme mit einem Alters- und generellen Jugendverbot belegt werden können, um mir vorzuschreiben, welche Filme ich mir mit meinen Kindern im Kino ansehen kann.



Auntie Sam
| 26.04.2005 14:54 antworten

Re: Micky Maus = Schmutz und Schund
muss ich mich an dieser Stelle daran erinnern, dass Micky Maus-Hefte Anfang der 50er-Jahre als "Schmutz und Schund" in Wien öffentlich verbrannt wurden
Genauso wie damals untere Anderem Eiskrem Gehirnzellen abtötete; Kaugummi auch sowas ähnliches verursachte; Fernsehen war ganz schlimm für die Augen und man durfte nicht mehr als 2 x in der Woche gucken.
Hoch lebe Dr. Fuchs und Mickey Mouse!!!



woka
| 26.04.2005 14:45 antworten

Re: Micky Maus = Schmutz und Schund
bambergers buchklub
ich habe die erinnerung an ein foto, das ein lastauto zeigt, welches den abgesammelten "schund" wegführt. ob zur verbrennung, weiß ich nicht. ein weiteres foto zeigt einen "knaben", der sein heft gegen ein buch tauscht. habe das in einer ausstellung während der comics-aktionstage in der bücherei schöpfwerk in den 80ern gesehen. dazu hat es auch eine podiumsdiskussion über comics im haus des buches gegeben. BAMBERGER, der buchlubchef und initiator der genannten umtauschaktion wurde ebenfalls eingeladen, hat aber abgewinkt: er habe den kampf gegen comics aufgegeben...



cheap thrills
Alle Postings von cheap thrills | 26.04.2005 10:27 antworten

Re: Micky Maus = Schmutz und Schund
uarrgh! das omelett war stark verwürzt!
sprachverliebtheit, mit der sprache spielen hat was anarchisches. da haben die pädagogen der sparefroh- und buchklubmaxi-zeit schon gut gezielt.
aber es hat nicht viel genützt! in zeiten wie diesen ist es gut, das zu erinnern.
eine öffentliche verbrennung? etwa die heftln unter dem beifall des buchklubmaxi oder in der jungschar ins feuer g'haut? können sie das wenigstens ein bisschen konkretisieren? würd glaub ich auch andere hier interessieren, für die erika fuchs ein fenster in den miefigen kindheitskammerln geöffnet hat.



E. Pagliacchi
| 26.04.2005 10:22 antworten

Re: Micky Maus = Schmutz und Schund
Jugenschutz hat nichts mit NS-Geist zu tun.



Axel Braun
| 26.04.2005 03:51 antworten

Re: Micky Maus = Schmutz und Schund
Danke für die Aufklärung bezüglich des Buchklubs der Jugend und über die mir bis jetzt unbekannte Micky-Maus-Verbrennung.



Andreas Prischl
| 25.04.2005 21:20 antworten

Es ist mir ein Hochgenuss, wie ein Seehund darin zu lesen und wie ein Maulwurf die Seiten umzubättern und die Wörter in die Luft schmeissen, dass es mir auf die Glatze prasselt! :-)



Sascha Luderer
| 26.04.2005 09:54 antworten

Re:
Wunderbar übernommener Dagobert Kommentar!



Chien de Pique
Alle Postings von Chien de Pique | 25.04.2005 21:07 antworten

Auch meinen tief empfundenen Respekt und Dank.



mirko burijan
Alle Postings von mirko burijan | 25.04.2005 20:38 antworten

*schnüff*
doch dank dem kundigen redakteur!



max moller
| 25.04.2005 20:34 antworten

Vielen Dank!
mfg
Ing. Max Moller



Alfredo di Stefano
| 25.04.2005 19:55 antworten

schade, schade - danke für die wunderbaren übersetzungen



Der groBe Mann
| 25.04.2005 19:46 antworten

... den heute gehört uns die Kohldampfinsel und morgen die ganze Welt!"
Leider haben die Herren Jörg und HC, die Damen von Susi bis Ursula schpeziell DIESE Fachliteratur geschwänzt -- mit dem bekannnten traurigen "Erfolg"!



Helmut Huber
Alle Postings von Helmut Huber | 26.04.2005 10:54 antworten

Re: ... den heute gehört uns die Kohldampfinsel und morgen die ganze Welt!"
obiges Zitat
spielt ja schon ins Trizonesische!



Spaceman Spiff
| 25.04.2005 19:34 antworten

Wegen ihrem (bzw. ihres Mannes) "Dem Ingenieur ist nichts zu schwoer" - wollte ich schon als Kind Dipl.-Ing. werden.
Ich glaube, am Besten verabschiedet man sich mit ihren Worten: "...und lieg' ich dereinst auf der Bahre, dann legt mir meine Guiiitare mit ins Grab..." ;-)
Danke Frau Dr. Erika Fuchs!



The Flow
Alle Postings von The Flow | 26.04.2005 00:28 antworten

Re:
und lieg ich dereinst auf der bahre
dann denkt auch an meine Guitaaahre
und legt sie mir
mit in mein
Graaab



Spaceman Spiff
| 26.04.2005 11:44 antworten

Re: Re:
Ich nehme keine Comics mit ins Buero ;-)
Aber vielen Dank! So ist's richtig.



der Kosmoprolet
| 25.04.2005 23:21 antworten

Re:
ooooooooooooohhhh!!!!
diesen satz von donald hätte ich ja schon fast vergessen gehabt.
danke für die erinnerung :-))))



Buffy die Vampirjägerin
Alle Postings von Buffy die Vampirjägerin | 25.04.2005 19:12 antworten

Die bedeutendste Tote der letzen Monate...
Ruhe in Frieden.



Helmut Huber
Alle Postings von Helmut Huber | 25.04.2005 18:52 antworten

Es ist nun also die Zeit gekommen,
zu der wir endgültig den rührseligen Cowboy anstimmen müssen, mit der Gu-hi-tarre im kühühülen Grab; selbst Fähnchen Fieselchweif vergißt auf Lützows wilde verwegene Jagd und trottet gesenkten Hauptes im Entenmarsch hinter dem Sucher der viereckigen Eier her. Auch dem Inscheniör fällts heute schwör. Das Helferlein leuchtet heute sogar mit der Dunkellampe.
Danke, Frau Dr. Fuchs! Danke für die hilflosen und entlarvenden Wutausbrüche altteutscher Professoren und all die anderen großartigen Momente, die Sie und der Ihnen vorangegangene Herr Barks uns beschert haben!
Anatrumvilla erit in orbe ultimo!



Kiki Einhorn
| 25.04.2005 18:50 antworten

"Es lächelt der See, er ladet zum Bade."
Dabei denke ich heute noch an Donald und nicht an Wilhelm.



anders and
| 25.04.2005 18:44 antworten

nochmals Danke an Erika Fuchs!
Sie war meine beste Deutschlehrerin...



Petzi Bär
| 25.04.2005 19:24 antworten

Re: nochmals Danke an Erika Fuchs!
- auch die beste Latein Leherin:
inkus pinkus sellerinkus zu deutsch: da haben wir den salat!



swedish meatballs
| 25.04.2005 23:53 antworten

Re: Re: nochmals Danke an Erika Fuchs!
Schnaptus, Claptus, Totalraptus! Onkel Donald ist wahnsinnig geworden.



Petzi Bär
| 26.04.2005 09:06 antworten

Re: Re: Re: nochmals Danke an Erika Fuchs!
..w.as ist neufundland?
ein film?

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In diesem Forum gibt es 82 Postings | Posting 51 bis 82



25. duben 2005 derStandard.at | Kultur | Literatur Michael Freund



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